Ryvarden Kafé og Selskapslokaler

Wo früher die Grenze zwischen Rogaland und Hordaland verlief, etwas nördlich der heutigen Fylke(Landes-)-grenze, stand einstmals eine aus Stein aufgeschichtete Bake (oder Warte, norweg. “Varde”), die “Ry-Varde”, nach der die dortige Felsnase, “Ryvardsneset”, auch “Mølstrevågnes” genannt, ihren Namen erhalten hat.

Ryvardsneset liegt im südwestlichen Teil der Gemeinde Sveio. Die dort aufgeschichtete Bake diente mehr als 1100 Jahre lang als Seezeichen.

Es ist naheliegend, die erste Silbe von Ryvarden mit “Ryfylke” in Verbindung zu bringen, weil früher der Landesname “rygir” – abgeleitet wohl von “rugdyrking” = “Roggenanbau” – lautete. Schon sehr lange gibt es den Namen “Rygjavarden”, was auch bedeuten kann, dass dieser Ort von Rogaländern gegründet wurde, was aber unsicher ist. Der Name kann außerdem im Zusammenhang mit der Grenzlinie (“rå”) gedeutet werden. Der (norwegische) Begriff “Varde” bedeutet in Bezug auf die Seeschifffahrt soviel wie “Bake”. Sie diente unterschiedlichen Zwecken, z.B. eben als Seezeichen, Grenzmarkierung, Denkmal oder Grabstätte. In alten Quellen findet man folgende Beschreibung dieses Ortes:

“Ryvarden liegt auf der äußersten, ziemlich hohen Kuppe der Felsnase, 36 m über dem Meer. Die Varde wurde aus umherliegenden rundlichen Felsteinen errichtet und hat einen Durchmesser von 6 m sowie eine Höhe von 0,75 m – aber jetzt ist viel zerstört. Sie wurde auch als Spielplatz benutzt, und viele Steine wurden Richtung Osten die Klippen hinuntergeworfen. Außerdem wurde etwas weiter nördlich eine weitere Bake gebaut.”

Dieser Aufzeichnung ist auch zu entnehmen, dass auf Ryvarden wahrscheinlich zunächst – vor mehreren tausend Jahren – in der Bronzezeit – eine Art Hünengrab erbaut worden war. Wer dort einstmals zu Grabe getragen wurde, weiß man nicht; darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht war es ein mächtiger Häuptling, der an dieser sturmumtosten Küste Schiffbruch erlitten hatte?

Solche großen, in der Einöde auf Felsvorsprüngen und Schären liegenden Baken werden hier “Kystrøyser”, zu Deutsch etwa “Küstenbaken” genannt. Die ältesten dieser Baken wurden schon im älteren Bronzezeitalter (vor 3 500 bis 3 000 Jahren) errichtet. Einige Funde konnten datiert werden; oft sind aber nur noch leere Grabstätten zurückgeblieben. Sowohl die sterblichen Überreste als auch die Grabbeilagen sind verwittert. Wasser und Luft konnten leicht durch die Lücken zwischen den Steinen in die Grabkammer eindringen. Außerdem wurden sie oft geplündert.

Es verwundert, dass die Menschen solche abseits gelegenen Orte als Grabstätten für ihre Toten wählten, insbesondere, wenn man die ganze Arbeit und den geringen praktischen Nutzen betrachtet. Abseits lagen diese Gedenkstätten jedoch nur vom eigenen Hof aus gesehen. Für die Leute, die sich auf See bewegten – und das waren in dieser Zeit die meisten – lagen die Steingräber zentral. Ryvardsneset ist von See aus gut sichtbar, und der Hauptschifffahrtsweg führt direkt daran vorbei. Dieses Steingrab war deshalb zu allen Zeiten eine weithin sichtbare Orientierungsmarke für die Seeleute. Leider wurde es später stark beschädigt, weil man die Steine für andere Zwecke verwendet hat.

In dem isländischen Sagenbuch “Landnámabok” wird erzählt, dass der zu den Entdeckern Islands zählende Flóke Vilgjerdsson eine Bake auf der Grenze zwischen Hordaland und Rogaland erbaute und dass diese “Flókavardi” genannt wurde. Aus dem Buch “Historia Norvegica” aus dem Jahre 1711 geht hervor, dass der Name damals noch gebräuchlich war, wenngleich die Bauern den Ort “Ryevarden” nannten. Im “Landnámabok” kann man auch nachlesen, dass Flóke Vilgjerdson vom Hof Smårsun (Smørsund) in Hordaland stammt. Die meisten Geschichtsforscher gehen davon aus, dass Flóke am Viksefjord wohnte und zwar dort, wo jetzt der Hof “Straumen” liegt. Auch die hier gemachten Altertumsfunde deuten darauf hin. Auf diesem Hof, der an der jetzigen Fylkegrenze zwischen Rogaland und Hordaland liegt, steht immer noch ein Bautastein (Gedenkstein aus der Wikingerzeit). Dieser soll nach der Überlieferung einer von zweien sein, die von Flòke Vilgjerdsson errichtet wurden. Der andere Bautastein wurde 1911 zerbrochen und beim Bau einer Scheune als Türsturz verwendet. Infolge dieser Ausführungen gibt es Grund zu der Annahme, dass Island von einem Bewohner Sveios entdeckt wurde. Es ist deshalb höchste Zeit, dass Flóke Vilgjerdsson einen eigenen Gedenkstein erhält.

Flóke opferte vor seiner Abreise nach Island um 868/869 dem Gott Odin und beschwor ihn, drei Raben Zauberkraft zu verleihen; und er brachte weitere Opfer: Während er auf gutes Segelwetter wartete, ließ er draußen auf der Felsnase die Bake (s.o.) errichten. Es ist aber anzunehmen, dass an einer strategisch so markanten Stelle bereits vor 868 ein derartiges Seezeichen vorhanden war.

Es ist für uns heute nur schwer zu verstehen, dass “Raben-Flóke”, wie die Geschichte überliefert, bei Ryvarden, einem Gebiet mit schwierigen Hafenverhältnissen und nur eine Ruderstunde vom guten Hafen im Viksefjord entfernt, auf günstigen Segelwind wartete. So erzählt man jedenfalls diese Geschichte auf dem Hof Straumen. J. Haugland ist dagegen einer von denen, die behaupten, dass Reste der alten Flóke-Varde bei Smörsundneset, südlich von Ryvardsneset, zu finden sind.

In Krisenzeiten wurde Ryvarden – bereits um 1800 – als Signalstation von der Marine mit ständig stationierter Mannschaft genutzt. Eine Art Leuchtfeuer soll bereits vorhanden gewesen sein, bevor der Leuchtturm “Ryvarden Fyr” erbaut wurde. Zunächst war es eine Flamme in einem Kessel mit Pech, die den Seeleuten den Weg wies, dann ein kleines Licht in einem Schauer.

1849 entschied die Leuchtturmdirektion, auf Ryvarden ein Leuchtfeuer für die Fischer zu bauen. Das Feuer, das damals nur aus einem aus Baumstämmen errichteten Viereck von 2,6 m im Quadrat bestand, wurde gleich neben der alten Steinbake erbaut. Die Leuchtapparatur bestand aus einem Wandlicht; aber es war weithin über der Sletta und dem Bömlafjord sichtbar. Das Feuer sollte zur Zeit der Fischerei des Frühjahrsherings vom 21. Dezember bis zum 01. März in Betrieb sein. Bald aber gab es Forderungen nach einer erweiterten Betriebsdauer. Seit 1852 ist es deshalb Küstenleitfeuer, d.h., ein kleineres Leuchtfeuer, das während des größten Teils des Jahres zur Schiffssicherheit zwischen den Inseln und Schären beitragen sollte.

“Ryvarden Fyr. Es ist platziert dicht neben der am selben Ort stehenden Varde und sichtbar von Lyngholm über den Fjord bis Smörvigodden”, so heißt es in einer Bekanntmachung von 1849.

Seit 1800 wurde das Leuchtfeuer vielfach ausgebessert. Der Direktor der zuständigen Behörde, Carel Fredrik Diriks (eigentlich Künstler), besuchte Ryvarden um 1850 mehrere Male und war speziell auf die alte, moosüberwucherte Steinbake am Ort aufmerksam geworden. – 1861 wurde dann ein neuer und größerer Bau für die Leuchtturmwärter errichtet. Bei dieser Gelegenheit wurde die Bake von den Arbeitern aus Mølstrevåg abgetragen und für die Grundmauern des neuen Leuchtturms verwendet. Carl F. Diriks war sehr verärgert und schrieb u.a.:

“Jedes Mal, wenn ich auf Ryvarden war, ein Punkt, der die Grenze zwischen dem Amt Stavanger und Söndre Bergenhus (früherer Verwaltungsbezirk) markiert, habe ich mit Interesse eine Varde betrachtet, welche dort steht bzw. stand. Sie war weder groß noch besonders kunstfertig erbaut, aber das, was sie in meinen Augen interessant machte, war ihr offensichtlich hohes Alter. Dickes Moos bedeckte sie von oben bis unten, so dass man nicht durch die Öffnungen zwischen den Steinen hindurchsehen konnte. ‘Die muß sehr alt sein,’ dachte ich mir.’ Um eine solche Moosschicht

zu erreichen, braucht es Jahrhunderte, vielleicht stammt sie aus der Wikingerzeit. Wieviele Wikingerschiffe mögen hier vorbeigezogen sein, wieviele fremde Flaggen auf dem Weg von und nach Bergen? Wieviele Millionen Heringe mag sie gesehen haben, die drunten zu ihren Füßen gefischt wurden? Vielleicht ist sie auch Zeuge gewesen, wie König Magnus 7. Erikssøn 1374 Schiffbruch erlitt und mit seinen Männern in der Nähe von Lyngholmen, etwa eine halbe Meile von Ryvarden entfernt, ertrank…?’

Solch alte Steinbaken, Markierungen für Schiffsrouten und Ankerplätze, gibt es viele an der Küste, und sie werden von den Bewohnern nicht angetastet. 1861 kam ich erneut nach Ryvarden, um die Errichtung eines neuen Leuchtfeuers zu inspizieren. Als ich die Baustelle erreichte, blieb ich wie vom Blitz getroffen stehen. Die Bake bzw. ein großer Teil davon, war verschwunden. Ich erkundigte mich sogleich bei den Arbeitern, -ja, die Steine waren für die Grundmauern des neuen Leuchtturm-Gebäudes verwendet worden. Barbaren, Vandalen, welche mit ihren unheilvollen Händen zerstört hatten, was Generation auf Generation seit tausend Jahren respektiert hatte. Meine Entrüstung war groß, indes nützte es nichts, sie an diesen Menschen auszulassen….. .”

Zur Verteidigung dieser “Vandalen” muß gesagt werden, dass die Menschen zu der damaligen Zeit keinen besonderen Sinn für alte Denkmäler hatten. Sicherlich wurden die Steine des alten Denkmals verwendet, da sie in unmittelbarer Nähe lagen und die Arbeiter von der logischen Überlegung ausgingen, dass für die Steine künftig keine Verwendung mehr bestünde, wenn ein neues Seezeichen an gleicher Stelle erbaut würde. Vielleicht hätte der gute Direktor, der wußte, dass ein neues Leuchtfeuer errichtet wurde, nur klipp und klar sagen sollen, dass die alte Bake unangetastet bleiben müsse.

Nach dem Ausbau 1891 wurde das Leuchtfeuer mit einer “Aladin-Lampe” ausgerüstet. Zur selben Zeit wurde auch ein Assistent eingestellt. Während des Krieges erhielt die Station einen besonderen Status, und das Licht des Leuchtturms wurde zu einer wichtigen taktischen Waffe sowohl für die Angreifer als auch die Verteidiger. Am Abend des 8. April 1940 kam der Befehl, das Leuchtfeuer stillzulegen. Schon am 09. April 1940 besetzten die Deutschen die Station und quartierten acht Soldaten ein. Ryvarden war strategisch wichtig für die Besatzer. Weil der Leuchtturm auf dem äußersten Punkt des Festlandes stand, hatte man die vollständige Kontrolle über den Schiffsverkehr nach Westen. Sobald englische Schiffe erschienen, wurde das Feuer weggeblendet, so dass diese keine Orientierung an der Küste fanden. Sobald aber Deutsche erschienen, wurde das Feuer wieder sichtbar gemacht. Die Deutschen verließen Ryvarden am 11. Mai 1945. Bereits am Tage danach wurde der normale Betrieb wieder aufgenommen.

Der erste Leuchtturmwärter auf Ryvarden war 1848 ein Kaufmann aus Mølstrevåg, Jon Simonsen Mølstre, im Volksmund auch Jo Berget (= “der Berg”) genannt. Er wohnte in Mølstrevåg; und die Bedienung des Leuchtfeuers war beileibe kein Teilzeitjob. 1887 beantragte er den Zukauf von 50 mål (= 50 Dekar =50 Ar = 5 000 qm) Ländereien, was aber abgelehnt wurde. Er kaufte deshalb das Land auf Ryvardsneset ein Jahr später für 400 Kronen auf eigene Rechnung, kultivierte es und betrieb neben dem Dienst als Leuchtturmwärter sowohl Landwirtschaft als auch Fischerei. Zeitweise wohnte seine gesamte Familie hier draußen. 1898 kaufte die Leuchtfeuerbehörde das Grundstück für 1 600 Kronen.

1935 wurde ein 6 m hoher Turm nebst Maschinenhaus errichtet sowie ein Nebelhorn installiert. Dieser Bau steht – außer dem Maschinenhaus – noch heute. Gleichzeitig wurde ein Bootsanleger nebst einem Kran gebaut, sowie eine Seilwinde hinauf zum Leuchtturm montiert. Zudem wurde ein Wohnhaus für den Leuchtturmwärter, ein Haus mit zwei Wohnungen, Nebengebäude, eine Scheune sowie ein Bootsschuppen errichtet. Der Leuchtturmwärter und zwei Helfer konnten nun hier draußen zusammen mit ihren Familien wohnen und arbeiten.

 

So dicht beieinander zu wohnen war nicht immer so leicht. Aber alle hatten genug mit sich selbst zu tun. Diese kleine Gemeinschaft hatte eine Zeitlang sowohl Hühner, Schweine und eine Kuh. Das wenige, was an Gartenland zur Verfügung stand, wurde zwischen den Familien aufgeteilt, so dass sie ihr eigenes Gemüse, wie z.B. Kartoffeln, anbauen konnten. Der Leuchtturmwärter erhielt die beste Wohnung und die besten Ackerstücke vor seinen Assistenten. Auch hier kam der Klassenunterschied zum Tragen. Die Tiere dagegen wurden gemeinschaftlich gehalten, da es nur einen kleinen Stall gab. Landwirtschaft wurde noch bis etwa 1950 betrieben. Noch immer stehen die Obstbäume, Büsche vom Beerenobst sowie Blumen in dem früheren Garten. Die Wohngemeinschaft wechselte oft. Die Leuchtturmbesatzung bekam nach und nach Arbeit an anderen Orten und neue Leute kamen hinzu – oft aus dem nördlichen Landesteil.

Um Arbeit zu bekommen war es fast eine Voraussetzung, verheiratet zu sein. Der Staat sah es als selbstverständlich an, dass sich die Ehefrauen der Leuchtturmwärter unentgeltlich an den auf der Leuchtfeuerstation anfallenden Arbeiten beteiligten. “Die Frauen eignen sich gut, das Feuer zu schüren”, hieß es. Die Arbeit auf dem Leuchtturm bestand aus monotonen Arbeiten und war in Wachen von 24 Stunden eingeteilt. Viele würden sagen: “Ein langweiliges Leben”. Die Beobachtung und Protokollierung dessen, was sich auf See abspielte, gehörte ebenso zu den täglichen Verrichtungen wie die Reinigung und Ausbesserungsarbeiten. Die wichtigste Arbeit des “Feuerwärters” war gleichwohl, die Flamme des Feuers zu jeder Zeit zu erhalten und das Nebelhorn zu betätigen, sofern es erforderlich war. Zudem mussten die Spiegel geputzt werden. Zu Beginn gab es nur ein sehr einfaches Leuchtfeuer. Ein Talglicht war die Lichtquelle, das durch Kupfer- oder Messingspiegel durch drei kleine Gläser reflektiert wurde. Solch ein Feuer bei jedem Wind und Wetter am Brennen zu halten, war sicher schwierig genug.

Die Menschen früherer Zeiten waren sehr mit der Nahrungsbeschaffung sowohl zu Lande als auch auf dem Meer beschäftigt; und sie sammelten Seetang als Futter und Dung. Die Familien mussten oft für lange Perioden des Winters und der damit einhergehenden Unwettergefahren Nahrungsvorsorge treffen. Ebenso wichtig wie die Nahrung waren Dochte und der Ölvorrat. Dabei hatten die Leute auf Ryvarden noch einen verhältnismäßig kurzen Weg zum Kaufmann im Vergleich zu anderen Leuchtturmbewohnern.

Der zur Leuchtfeuerstation gehörende Bootsschuppen liegt in Hardingshålo bei Mølstrevåg. Er war 1877 über der 1861 montierten Winde errichtet worden. Die Hafenverhältnisse draußen an der Küste waren zu schlecht, als dass sie dort den Bau eines Bootshauses gestattet hätten. Die See um Ryvardsneset herum war ständig so unruhig, dass das Ruderboot des Leuchtturmwärters Mølstre eines Sommertags zerstört wurde, obwohl es hochgezogen war. Die Kinder von Ryvarden hatten einen langen und mühseligen Schulweg. Zuerst mußten sie in der Einöde einen 1,5 km langen Stieg bewältigen und danach den Weg zum Postgebäude hinaufgehen, um dort auf den Bus zu warten, der sie nach Vandaskog brachte. Das konnte hart sein, zumal für die kleinen Kinder im Winter, oft im Stockdunklen und bei beißend kaltem Sturm, Regen und Schnee. Eines der Mädchen, das allein gehen mußte, bekam eine drahtlose Telefonausrüstung mit auf den Weg, damit es von unterwegs mit der Mutter Kontakt halten konnte. Da gab es manch harte Tour.

Die letzten Modernisierungen auf Ryvarden wurden 1958 vorgenommen. Da wurde Strom gelegt und für den Leuchtturmwärter ein neues Wohnhaus erbaut. Das Leuchtfeuer erhielt eine elektrische Lampe mit einer Leistung von 250 Watt, womit es eine Reichweite von 13,4 nautischen Meilen erzielte. Erst in den siebziger Jahren wurde der Trampelpfad (seit 1861) zu einem Traktorweg ausgebaut. Später wurde es auch möglich, mit einem kleinen Auto hinaus zu fahren. Die Wegearbeiten wurden mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde und der für die Küstenfeuer zuständigen Behörde in Gemeinschaftsarbeit (50/50) mit denen ausgeführt, die da draußen lebten. 1992 wurde der Weg auf den Stand gebracht, in dem er sich heute befindet. Danach wurde das Leuchtfeuer automatisiert. Die kleine Gemeinschaft mußte nach 134 Jahren ununterbrochener Betriebsdauer des Leuchtfeuers Ryvarden verlassen und sich neue Arbeit suchen. Der letzte Leuchtturmwärter, Fyrmeister Charles Skaar, verließ den Leuchtturm eines Augusttages des Jahres 1984 zusammen mit seiner Frau Gunda, nachdem er dort 18 Jahre lang Dienst verrichtet hatte. Die allerletzte Wache nahm John O. Mølstre wahr. Er hatte 1967 als Vertreter begonnen und war später “Erster Bediensteter” geworden. Am 20. August 1984 verabschiedete auch er sich. Eine Anlage, die sich in bestem Zustand befand, war verlassen.

Im Laufe der Zeiten hat sich vor diesem, Wind und Wetter besonders ausgesetzten Küstenstrich, eine ganze Reihe dramatischer Ereignisse abgespielt; und viele der hier ansässigen Menschen wurden Zeugen so manch eines erschütternden Erlebnisses, sowohl zu Lande als auch zu Wasser. Es ist schwer vorstellbar, wie gewaltsam die See sein kann, wenn es zum Schlimmsten kommt. Der letzte Leuchtturmwärter hatte es selbst erlebt, dass die Brecher bis hinauf an die Hausmauern schlugen. Da lässt sich nur erahnen, wie dramatisch es bei dem entsetzlichen Unwetter von 1952 zugegangen sein musste.

Auch im Jahre 1863 ereignete sich solch ein Drama: Zwei Gehilfen des Kaufmanns Mølstre, ein Kaufmannsgehilfe und ein Bäckergeselle, waren am Heiligabend beauftragt worden, die Bewohner von Ryvarden mit Lebensmitteln zu versorgen. Die beiden machten sich auf den Weg. Auf dem Heimweg gerieten sie in einen fürchterlichen Schneesturm, verirrten sich in der durch den Schneefall weglos gewordenen Einöde und stürzten einen hohen Abhang hinunter. Der verletzte Gehilfe schaffte es, sich nach Hause zu schleppen, während der Bäckergeselle am nächsten Tag nach dem Sturz nur noch tot geborgen wurde. Daheim in Mølstrevåg hatte man – vergeblich – gehofft, dass er das Unwetter bei den Bewohnern des Leuchtturms überstanden haben mochte. Man hatte deshalb nicht nach ihm gesucht.

In einer Januarnacht 1941 wurde die etwas nördlich des Leuchtturms gelegene Schäre “Großer Bloksen” beschossen und mit Bomben belegt, weil die Deutschen die Felsen für ein englisches U-Boot hielten. Das hatte zur Folge, dass Frauen und Kinder von Ryvarden nach Mølstrevåg flüchten mußten. Die Leuchtturmwärter mußten dagegen auf Wache bleiben, weil die Deutschen Leuchtfeuer und Nebelhorn nicht bedienen konnten.

Von den vielen Schiffsunglücken vor Ryvardsneset ist die Havarie des der Reederei HSD gehörenden Schnellboots “M/S Sleipner” die schlimmste in diesem Gebiet in jüngerer Zeit. Die “Sleipner” hatte am 26. November 1999 um 19.08 Uhr bei stürmischem Wind (Stärke 8) und völliger Dunkelheit Grundberührung auf dem “Großen Bloksen”. In einem der dramatischsten Schiffsunglücke kamen von den 87 an Bord befindlichen Menschen 16 durch Ertrinken bzw. Unterkühlung um. Was sich bei dem heutigen Stand der Technik im Hinblick auf Navigations – und Kommunikationsmöglichkeiten sowie der Sicherheitsausrüstung kaum jemand vorzustellen vermochte, geschah dennoch. Das meiste ging schief auf dieser Fahrt des Schnellboots von Stavanger nach Bergen. Nachdem es Ryvarden passiert hatte, kam es vom Kurs ab und lief mit hoher Geschwindigkeit auf die (nur knapp aus dem Wasser ragende – d. Übers.) Schäre “Großer Bloksen”. Der Katamaran kam erst auf dem Felsen zum Stehen. Die Bugpartie wurde so stark beschädigt, dass sie später vom übrigen Rumpf abbrach. 30 Minuten später trieb der Havarist vom Felsen ab, füllte sich mit Wasser und versank innerhalb einer Minute.

Es dauerte allzu lange, ehe Rettung nahte, was mehreren unglücklichen Umständen zuzuschreiben ist: Die beiden in Langevåg auf Bömlo bzw. Haugesund stationierten Rettungsboote lagen gleichzeitig in der Werft. – Die Hauptrettungszentrale auf Sola hatte keinen Zugang zum internationalen Notruf und ist des nachts auch nicht mit einer Rettungsmannschaft besetzt. Somit gingen wertvolle Minuten verloren, bevor der Rettungshelikopter seine Suche aufnehmen konnte. – Die Luftrettung aus Stavanger konnte sich wegen des schlechten Wetters nicht an der Suche beteiligen. – Zur Zeit des Unglücks befanden sich keine weiteren Schiffe in unmittelbarer Nähe des Havaristen. – Zudem war die eigene Rettungsausrüstung des Bootes mangelhaft.

Unmittelbar nach der Kollision mit dem Felsen verhielten die Passagiere sich überraschend ruhig. Als dann das Boot jedoch sank und alle Passagiere in der See landeten, brachen Panik und Chaos aus. Eine unglaubliche Tragödie um Leben und Tod spielte sich an diesem Freitagabend nordwestlich vor Ryvardsneset in Dunkelheit, Kälte und grober See ab. Die Rettungsflöße ließen sich nicht auslösen, und viele der Unglücklichen wurden vom Sog des sinkenden Schiffes mehrere Meter in die Tiefe gerissen, bevor sie wieder auftauchten. Etliche waren ohne Rettungsweste, teils, weil sie sie gar nicht, teils, weil sie sie nur mangelhaft angelegt (mit Nylonschnüren zu befestigen) und nach dem Sprung ins Wasser gleich wieder verloren hatten. Von den Rettungsflößen schwamm nur eines auf, das sich aber als so groß und leicht erwies, dass der Sturm es umwarf und die wenigen Schiffbrüchigen, die sich hatten hineinretten können, wieder ins Wasser stürzten.

Manch eine entsetzliche Begebenheit wurde in der Anhörung berichtet, die anläßlich des Unglücks abgehalten wurde: Die Menschen riefen und schrien, weinten und spuckten Wasser, während sie um ihr Leben kämpften. Ein Mädchen erzählte, dass es versucht hatte, Abstand zu den anderen zu gewinnen, da die Ertrinkenden sich an seinen Haaren festzuhalten versucht und es so mehrere Male unter Wasser gezogen hatten. Nachdem es ein vorbeischwimmendes Sofa erklimmen konnte, mußte es dies wieder verlassen, um einem Kampf um diesen Platz mit einem später hinzukommenden Schiffbrüchigen zu vermeiden. Das Mädchen fror fast zu Tode, und es hatte es nun noch schwerer, sich bemerkbar zu machen. Eine junge Frau war so erschöpft, dass sie nicht mehr imstande war, sich an der Rettungsleine festzuhalten. Der letzte Ausweg war, sich an dieser festzubeißen; und so wurde sie längsseits des Rettungsbootes geholt. Ihre Rettung musste sie mit dem Verlust ihrer Zähne bezahlen, da diese sich anschließend lösten.

Viele bewiesen Heldenmut und Einsatzwillen bis zum Äußersten; wie ein Matrose, der seinen Überlebensanzug einem Passagier mit der Folge überließ, dass er selber ertrank; oder ein anderer, der seinen jüngeren Bruder mehr als eine halbe Stunde über Wasser hielt, ihn jedoch vor Entkräftung loslassen musste, kurz bevor Rettung nahte, worauf der Junge ertrank; oder ein junger Mann, der darum bat, das Mädchen, mit dem er gemeinsam in den Wellen ums Überleben gekämpft hatte, zuerst zu retten und dann selbst umkam. Eine Rettungsmannschaft kenterte mit einem Rettungsboot und mußte nun ihrerseits gerettet werden. Bemerkenswert war auch das Verhalten einer älteren Dame an Bord der “Sleipner”: Sie verhielt sich während der ganzen Zeit still und ruhig und sah dem Tod gefasst entgegen.

Die “Askita” hatte gerade Ryvarden passiert und war der “Sleipner” am nächsten. Sie drehte bei und schaffte es, 20 Menschen aufzufischen. “Sjøfart” (“Røværekspressen”) kam hinzu und nahm 13 Personen auf, “Espeværekspressen” 21 und gemeinsam mit dem Sea-King-Helikopter, der ebenfalls 21 Menschen barg, wurden die meisten gerettet. Insgesamt überlebten 71 Schiffbrüchige die bislang schlimmste Schnellboottragödie der Geschichte.

Der Grund für die glücklicherweise relativ hohe Zahl an Geretteten war dem Umstand zu verdanken, dass die Wassertemperaturen mehrere Grad höher waren, als es normalerweise zu dieser Jahreszeit der Fall ist. Auch dass viele junge und in physisch guter Verfassung befindliche Passagiere an Bord waren, war ein Grund dafür, dass nicht noch mehr Menschenleben zu beklagen waren. Der Präsident des Stortings brachte im Trauergottesdienst zum Ausdruck, dass das “Sleipner”- Unglück eine nationale Katastrofe und eines der schwersten Schiffsunglücke der letzten Jahre sei. Die aufwühlenden Erlebnisse hätten sowohl bei den Überlebenden als auch bei den Rettungsmannschaften tiefe Spuren hinterlassen, und viele würden noch jahrelang mit ihren Alpträumen leben müssen.

Ein anderes Schiffsunglück in früherer Zeit geschah am 29. März 1947 zwischen den “Bloksen” (es gibt “Lille Bloksa” und “Store Bloksa” – also etwa: der kleine und der große Block – nordwestl. von Ryvarden – d. Übers.). Die 2 200 tons große “Sevilla” der Reederei Fred. Olsen war mit Klippfisch und Nickel auf dem Weg von Bergen nach Portugal. Sie wurde im Nebel von der “Clio” überlaufen, die der “Dampfschifffahrtsgesellschaft” aus Bergen gehörte und mit Stückgut auf dem Weg von Brevik nach Bergen war. Wegen des Nebels wurde entsprechendes Nebelsignal gegeben. An Bord der “Sevilla” glaubte man jedoch, das Nebelhorn von Ryvarden gehört zu haben. Man vermutete einen Navigationsfehler und stoppte sogleich die Maschinen. Aufgrund der Strömung legte sich das Schiff quer zum Fahrwasser und wurde daher mittschiffs getroffen. Von der 22-köpfigen Mannschaft und den 6 Passagieren wurden 10 nie gefunden. Das Schiff liegt nach wie vor in 40 m Tiefe auf Grund.

Ca. 60 Jahre früher versank, auf dem Weg von Bergen nach Hull, das Dampfschiff “Tasso”, eine Art Vorläufer der heutigen Kreuzfahrtschiffe. Es ging mit der gesamten Fracht verloren, Mannschaften und Passagiere dagegen wurden gerettet.

Am 05. Januar 1976 wurden alle 167 Passagiere (29 Verletzte) gerettet, als ein anderes Schnellboot der HSD, ebenfalls mit dem Namen “Sleipner”, bei Håskru in 1,5 naut. Meilen Entfernung von Ryvarden, auf Grund lief. Das Boot jagte mit voller Fahrt auf eine Klippe, und es hätte zu einer Katastrofe kommen können, wenn es nicht auf dem Felsen liegen geblieben wäre.

Das deutsche Fischereischiff “Hilmar Bismarck” geriet vor Glisholmane auf die Schären und wurde gesprengt, um noch möglichst viel von der Fracht zu bergen. Im Dezember 1953 geriet das Schiff “Rusken” (zu deutsch: Der Schwips) auf den “Store Bloksa”. Nach vier Stunden harten Kampfes rettete sich die 7-köpfige Mannschaft im überfüllten Rettungsboot nach Lyngholmen. Der Kapitän Godø aus Ålesund jedoch überlebte die Strapazen nicht. Außerdem verunglückte eine Reihe kleinerer Schiffe in diesem gefährlichen Fahrwasser. Hierzu zählen: “Bassen”, “Crux”, “Kongborg” und “Fernbank”.

Auch die Mannschaft eines dritten Schiffes mit dem Namen “Sleipner” wurde bei Ryvarden einer dramatischen Prüfung unterzogen. Am 17. Mai 1944 beschossen die Deutschen von ihren Flakstellungen auf Nesheim und Hagland aus das kleine, von Mølstrevåg kommende Fischerboot, da sie es für ein englisches U-Boot hielten. Es hagelte ringsum schwere Geschosse. “Jetzt sind wir verloren,” sagte Carl Fr.Mathiesen zu seinem Sohn, da kaum einer glaubte, mit dem Leben davon zu kommen, und es war fast ein Wunder, dass niemand getroffen wurde. Unter ständigen Salven aus schwerer Artillerie erreichten die Fischer bei Raudholmen schließlich das rettende Ufer. Das Artilleriefeuer hielt jedoch an, und das dortige Leuchtfeuer wurde getroffen. So mußten die Männer schließlich aufs neue ins Boot, um außer Reichweite der Geschosse zu gelangen. Erst als sich das 25-Fuß-Boot auf halber Strecke nach Espevær befand, war es gerettet.

Nachdem die Belegschaft des Leuchtturms auf Ryvarden mitsamt ihren Familien fortgezogen war, blieben die Gebäude mehrere Jahre lang leer stehen. Seit 1992 hat die Gemeinde die Liegenschaften von der Küstenbehörde gepachtet. Das Wohnhaus wurde zum Kultur-Café hergerichtet und bekannten Künstlern für Ausstellungen (Galleri Ryvarden Kafé og Selskapslokaler), als Konzertsaal oder Musikstudio zur Verfügung gestellt. Die Gasträume werden für Gesellschaften, Konfirmationen, Hochzeiten u.s.w. vermietet. “Ryvarden Kulturfyr” hat sich zu einem landesweit bekannten Markenzeichen im Kunst- und Kulturleben entwickelt. “Es ist ein fantastischer Ort, um Platten einzuspielen”, meint die Sängergruppe “Vamp”. Ryvarden ist – nicht zuletzt wegen der guten Erreichbarkeit, der speziellen Atmosphäre und der Panorama-Aussicht über das Meer – zu einem populären Ausflugsziel für die Menschen aus der weiteren und näheren Umgebung geworden. In dem kleinen Stall wurde ein Museum eingerichtet, in dem die Geschichte von Raben-Flóke dargestellt wird. Das Haus des Leuchtturmwärters erhielt durch die Restaurierung einen hohen Standard und wird an Künstler oder andere Übernachtungsgäste vermietet.

Die Bande zwischen der Gemeinde Sveio und Island werden vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Geschichte ständig enger. In Verbindung mit dem 1000-jährigen Jubiläum der Christianisierung Islands im Jahre 1998 spendete u.a. die Gemeinde Sveio 10 000 NOK für das Snorre-Zentrum auf der Saga-Insel. Zur Erinnerung an die alte Steinbake, die aus den oben erwähnten Gründen großenteils zerstört worden war, wurde auf Ryvardsneset, und zwar dort, wo die alte “Flókavarde” wahrscheinlich einst gestanden hat, eine neue errichtet. Sie wurde in der Johannisnacht, am 24. Juni 1994, vom isländischen Botschafter in Norwegen, Eidur Gudmarson, enthüllt. Dementsprechend wurde in Hafnarfjördur auf Island an der Stelle, die Flóke auf seiner ersten Reise passierte, eine Bake aus Steinen errichtet, die aus Sveio stammen. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, die Zusammenarbeit mit den Isländern in Fremdenverkehrs- und Kulturfragen über die Landesgrenzen hinweg zu intensivieren. Vielleicht wird Hafnafjördur eines Tages unsere Patengemeinde?

Literaturhinweis:
Sveio gards-og ættesoge, bind II
Kulturhistorisk Vegbok for Hordaland
Norske fyr (Ove Olderkjær)
Versch. Artikel in Hgsd. Avis, Aftenposten und Vestavind
Versch. Ausschnitt und Notizen aus Vorsitzsekretär und Sachverständige der Kultur in Sveio
Außerdem haben mir Charles Skaar, John O. Mølstre, Harald Straume und Sigmund Salamonsen wertvolle Hinweise gegeben.

Verfasser: Kjell M. Bua, Eltravåg (nov. 02)

– Aus dem Norwegischen übersetzt von Manfred Piarowski , Januar 2003